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Ein besonderer Tag anlässlich des Gedenktags an die „Kinder vom Bullenhuser Damm“

06.05.2026 | Aktuelles, Vielfalt

20. April 2026: Erinnern, das bleibt: Ein besonderer Tag anlässlich des Gedenktags an die „Kinder vom Bullenhuser Damm“

Emma und Penelope aus der G7c haben ihre Eindrücke zu einem besonderen Tag unserer Erinnerungsarbeit festgehalten. Sie berichten von der Gedenkveranstaltung am 20. April 2026 in unserer Aula mit Dokumentarfilm, Klaviermusik und dem Gedenkmoment sowie von der anschließenden Mitgestaltung der Mittagsandacht in der Hauptkirche St. Michaelis. An beiden Veranstaltungen haben die Vielfalt-AGs der Unter- und Mittelstufe von Frau Wiese und Frau Pruss teilgenommen.

Ihre Texte geben sehr persönliche Einblicke in bewegende Momente und zeigen, wie nah Geschichte kommen kann. Sichtbar wurde unser Engagement in diesem Jahr auch im Stadtbild. Plakate zu den „Wochen des Gedenkens Hamburg-Mitte“, auf denen Schülerinnen unserer Schule gemeinsam mit den Schülerinnen der israelitischen Töchterschule zu sehen sind, waren an vielen Orten im öffentlichen Raum zu entdecken, unter anderem auch auf Litfaßsäulen.

Auch über die Schule hinaus fand unser Engagement große Aufmerksamkeit: Der Michel postete Teile von Hannas und Penelopes Rede anschließend auf Instagram, wo sie über 4.700 Mal geliked wurden (Stand heute) und damit eine beeindruckende Resonanz fanden.

Ein besonderer Dank gilt der Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm, die unsere Vielfalt-AGs im Anschluss zu einem gemeinsamen Essen eingeladen hat. Diese Einladung bot uns eine wunderbare Gelegenheit, den intensiven Tag gemeinsam ausklingen zu lassen und das Erlebte miteinander zu teilen und zu reflektieren.

Wir laden herzlich dazu ein, die folgenden Texte zu lesen.

(Eva Pruss Romagosa für die Vielfalt-Ags)

 

Ein Vormittag, der nachwirkt

Unsere Schule gedenkt der Kinder vom Bullenhuser Damm

Am 20. April 2026 fand an unserer Schule eine Gedenkveranstaltung statt, um gemeinsam an die Kinder vom Bullenhuser Damm zu erinnern. Vor 81 Jahren wurden dort zwanzig jüdische Kinder von den Nationalsozialisten ermordet. Seit vier Jahren setzen auch wir uns an unserer Schule intensiv mit ihrer Geschichte auseinander.

In dieser Woche versammelten sich alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 und 11 in unserer Aula, um gemeinsam der zwanzig Kinder zu gedenken, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 ermordet wurden.

Den Kern der Veranstaltung bildete eine eindrucksvolle Dokumentation unseres Mitschülers Matti Bliss, die aus einer Exkursion nach Auschwitz hervorgegangen ist, welche die Vielfalt-AG im vergangenen Jahr unternommen hatte. Der Film hielt die Eindrücke dieser Reise fest und machte die Grausamkeit der Geschichte auf eindringliche Weise greifbar. Die Bilder ließen viele von uns tief bewegt zurück.

Im Anschluss berichteten mehrere Mitschülerinnen, die an der Fahrt teilgenommen hatten, in einem von Lucie Brockmeier moderierten Gespräch von ihren Erfahrungen vor Ort. Sie schilderten, wie sie heute auf die Reise zurückblicken und welchen Einfluss sie bis heute auf ihr Denken und Fühlen hat. Diese persönlichen Einblicke machten das Erinnern noch greifbarer.

Um jedem der zwanzig Kinder einzeln zu gedenken, verlasen Schülerinnen und Schüler aus den beiden Vielfalt-AGs ihre Namen und stellten für jedes Kind eine Kerze auf. Begleitet wurde dieser Moment von Alexander Polinskiy am Klavier, dessen Kompositionen einen ruhigen und würdevollen Rahmen schufen.

Den Abschluss fand die Gedenkveranstaltung unter freiem Himmel an unserem schuleigenen Mahnmal, das wir vor drei Jahren auf dem Schulhof errichtet haben. Es steht als bleibendes Symbol für das, was diesen Kindern gewaltsam genommen wurde. Gemeinsam legten wir dort Rosen in verschiedenen Farben sowie bemalte Steine mit den Namen der Kinder nieder als sichtbares Zeichen der Erinnerung, der Vielfalt und der Hoffnung.

Dieser Vormittag hat uns einmal mehr gezeigt, dass wir als Schulgemeinschaft die Verantwortung tragen, die Erinnerung wachzuhalten und gemeinsam für eine Zukunft ohne Hass einzustehen.

(Ein Text von Emma Temp, G7c)

 

Erinnern vor großer Kulisse in der Hauptkirche St. Michaelis

Am 20. April verbrachte ich meine Mittagspause nicht wie gewohnt in der Cafeteria der Brecht-Schule, sondern an einem besonderen Ort: im Michel. Unsere Vielfalt-AG hatte die Möglichkeit, einen Teil der Mittagsandacht mitzugestalten und dort an das Schicksal der Kinder vom Bullenhuser Damm zu erinnern.

Zuvor hatten wir bereits bei der Gedenkveranstaltung an unserer Schule die Namen der 20 Kinder verlesen. Direkt im Anschluss machten wir uns auf den Weg zum Michel, um auch dort die Andacht mitzugestalten.

In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 wurden, nur wenige Kilometer von unserer Schule entfernt, 20 jüdische Kinder ermordet. Zuvor waren sie von den Nationalsozialisten für grausame pseudowissenschaftliche Experimente missbraucht und gequält worden.

In den vergangenen Monaten haben wir uns in der Vielfalt-AG intensiv mit der NS-Zeit beschäftigt, insbesondere mit der Geschichte dieser Kinder. Einige erinnern sich vielleicht noch an die Wanderausstellung im Altbau, durch die wir viele Klassen geführt haben.

Gemeinsam mit Pastorin Corina Senf gestalteten wir im Michel die Mittagsandacht und erinnerten an jedes einzelne Kind. Zu Beginn traten meine Mitschülerin Hanna und ich vor die Gemeinde und gaben in einer kurzen Rede einen Einblick in das Schicksal der Kinder, um den Rahmen für die anschließende Namensnennung zu schaffen. Danach trugen Schülerinnen der Vielfalt-AG jeweils Namen, Herkunft und Alter eines Kindes vor und entzündeten eine Kerze des Gedenkens.

Der Michel war gut besucht von Gemeindemitgliedern ebenso wie von Touristinnen und Touristen. Gerade deshalb war es für uns eine besondere Ehre, an diesem Ort sprechen zu dürfen. Als Schülerinnen der Vielfalt-AG dort an die Kinder vom Bullenhuser Damm zu erinnern, verlieh dem Moment eine besondere Würde.

Unter den Anwesenden war auch Christa Goetsch, ehemalige Schulsenatorin und Vorstandsmitglied der Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm. Auch ihre Anwesenheit unterstrich die Bedeutung dieses Anlasses.

Besonders bewegt hat mich, wie viele Menschen nach der Andacht auf uns zukamen und zeigten, wie sehr sie die Geschichte berührt hatte. Eine Touristengruppe fragte uns sogar, wo sie mehr über die Kinder erfahren könne und wir konnten auf die Gedenkstätte am Bullenhuser Damm verweisen. Dass daraus direkt Interesse entstand, hat mich sehr gefreut, es zeigt, dass es uns gelungen ist, auf diese lange verdrängte Geschichte aufmerksam zu machen.

Zum Abschluss bleiben die Worte aus unserer Rede: An die Kinder zu erinnern, ist das Mindeste, was wir heute für sie tun können.

  1. Mai 2026

(Ein Text von Penelope Tzanakakis, G7c)

 

 

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